SBF-See oder Sportbootführerschein See

Der SBF-See oder genauer gesagt:

Der amtlicher Sportbootführerschein See ist ein Pflichtschein für das Führen eines Bootes oder einer Yacht mit mehr als 15 PS Motorleistung auf den Seeschifffahrtsstraßen.

Und weil der korrekte Name so typisch Amtsdeutsch-umständlich ist, haben sich im Laufe der Zeit verschiedene „Aliasse“ entwickelt, als da sind

  • Küstenschein
  • Motorbootschein See oder Küste
  • Bootsführerschein Küste
  • SBF-See

Gemeint ist damit immer der SBF-See.

Was sind Seeschifffahrtsstraßen?

Ganz einfach: alle Wasserwege auf dem offenen Meer.

Also alle Gewässer, die man besser unter den Namen Ostsee, Nordsee, Mittelmeer, Atlantik usw. kennt, soweit es Europa betrifft. Natürlich zählen auch die offenen Gewässer der übrigen Kontinente zu den Seeschifffahrtsstraßen.

Auch einige Flüsse, die Verbindung mit der offenen See haben, wie in Deutschland z.B. die Elbe, gehören zumindest teilweise bis zu einer bestimmten Grenze (in diesem Fall im Hamburger Hafen) zu den Seeschifffahrtsstraßen. Im weiteren Verlauf ist die Elbe dann ein Binnengewässer. 

Du hast nun also festgestellt, dass du den SBF-See für deine Ausflüge mit einem Boot brauchst. 

Wie kommst du an diesen Schein? Und was  musst du dafür lernen?

Ebenso wie bei allen anderen Sportbootführerscheinen musst du eine Theorie- und eine Praxisprüfung vor einem staatlichen Prüfungssausschuss ablegen.

In diesem Fall besteht die Praxisprüfung daraus, mit einem Motorboot bestimmte Manöver zu fahren. Erforderlich sind 5 Pflichtmanöver, 2 sonstige Manöver sowie die Vorführung und Erläuterung von 6 Knoten

Zu den Pflichtmanövern gehören

  • Vorwärts- und Rückwärtsfahrt
  • Fahren nach Kompass
  • Mensch-über-Bord-Manöver
  • An- und Ablegen
  • Wenden auf engstem Raum
  • Aufstoppen

Sonstige Manöver/Fähigkeiten sind:

  • Anlegen einer Rettungsweste und eines Sicherheitsgurtes
  • Kenntnis der Manöverschallsignale
  • Kenntnisse und Anwendung der geltenden schifffahrtspolizeilichen Vorschriften (z.B. KVR, SeeSchStrO u.a.)

Das sind alles keine schwierigen Manöver, und mit etwas Übung und einer guten Ausbildung ist es kein Problem, die Praxisprüfung zu bestehen.

Achtung: bei diesem Führerschein wird keine Segelpraxis geprüft!

Die Theorieprüfung ist schon etwas umfangreicher und anspruchsvoller.

Folgende Themen gehören dazu:

  • Nautische Grundkenntnisse
  • Seemannschaft
  • Wetterkunde
  • Gesetzeskunde

Der gesamte Fragenkatalog umfasst 285 Prüfungsfragen sowie 15 (mehrteilige) Navigationsaufgaben.

Du bekommst bei der Prüfung einen Fragebogen, in dem du eine Navigationsausgabe lösen sowie 7 Basisfragen und 23 spezielle Fragen See beantworten musst.

Die Prüfungsfragen werden im Multiple Choice Verfahren gestellt. D.h. pro Frage stehen 4 mögliche Antworten zur Verfügung, von denen jeweils nur eine Frage richtig ist. Pro richtige Antwort gibt es 1 Punkt.

Wenn du mindestens 24 Punkte bei den Basisfragen und den speziellen Fragen See sowie 7 Punkte bei der Navigation erreicht hast, hast du die Prüfung bestanden!

Eine mündliche Nachprüfung gibt es nicht mehr. Wer also die Mindestpunktzahl nicht erreicht, ist durchgefallen, und zwar in der gesamten theoretischen Prüfung.

 

Notwendiges Handwerkszeug

Für die Theorieausbildung und -prüfung benötigst du ein Navigationsbesteck.

Das besteht aus 

  • Navigationszirkel
  • Kursdreieck
  • Anlegedreieck
  • sowie Bleistift und Radiergummi.

Der Navigationszirkel unterscheidet sich durch einen Geometriezirkel in erster Linie dadurch, dass er stumpfe Enden hat. Dadurch wird vermieden, dass die Seekarte „durchlöchert“ wird.

Das Kursdreieck hat im Gegensatz zu einem herkömmlichen Geo-Dreieck die Gradzahlen eines Kreises von 0 bis 360 auf seiner Skala.

Das Anlegedreieck wird nur zum Verschieben des Kursdreiecks benötigt. Man könnte hierfür auch ein kurzes Lineal oder ähnliches verwenden.

Zu guter Letzt eine wichtige Frage:

Wer bildet zum Sportbootführerschein See aus?

Normalerweise jede gute Segel- und Motorbootschule.

Also nicht nur die Schulen, die an der Ostsee oder Nordsee ihren Sitz haben, sondern auch alle Schulen, die überall in ganz Deutschland Ausbildung anbieten.

Du kannst bei den dortigen Prüfungsausschüssen sogar die Prüfung ablegen!

Das bedeutet, dass du einen Führerschein erwirbst, der dich zum Führen von Booten auf der SEE berechtigt – auch wenn du zum Erwerb des Führerscheins niemals an oder gar auf der See gewesen bist.

Ein gut gemeinter Rat am Schluss:

Nach bestandener Prüfung hast du irgendwann deinen nagelneuen SBF-See in der Tasche. Bereit, die Welt zu erobern und die Meere unsicher zu machen.

Pass bitte auf dich auf! Denke daran, dass du mit dem Erwerb dieses Führerscheins Grundkenntnisse erworben haben. Es gibt noch viel zu lernen und vor allem: zu erfahren.

Bringe nicht dich und andere in Gefahr, indem du dich und deine Fähigkeiten überschätzst und die Natur unterschätzst.

Begegne der Natur stets mit Demut – denn sie ist stärker als alles andere.

Und hier für die Interessierten und Neugierigen ein Auszug aus der SeeSchStrO

Seeschifffahrtsstraßen im Sinne dieser Verordnung sind

    * 1. die Wasserflächen zwischen der Küstenlinie bei mittlerem Hochwasser oder der seewärtigen Begrenzung der Binnenwasserstraßen und einer Linie von drei Seemeilen Abstand seewärts der Basislinie,

    * 2. die durchgehend durch Sichtzeichen B. 11 der Anlage I begrenzten Wasserflächen der seewärtigen Teile der Fahrwasser im Küstenmeer.Darüber hinaus sind Seeschifffahrtsstraßen im Sinne dieser Verordnung die Wasserflächen zwischen den Ufern der nachstehend bezeichneten Teile der angrenzenden Binnenwasserstraßen:

    * 3. Weser bis zur Nordwestkante der Eisenbahnbrücke in Bremen mit den Nebenarmen Schweiburg, Rechter Nebenarm, Rekumer Loch und Westergate;

    * 4. Lesum und Wümme bis zur Ostkante der Franzosenbrücke in Borgfeld;

    * 5. Hunte bis zum Hafen Oldenburg einerseits und bis 140 Meter unterhalb der Amalienbrücke in Oldenburg andererseits;

    * 6. Elbe bis zur unteren Grenze des Hamburger Hafens mit der Wischhafener Süderelbe von km 8,03 bis zur Mündung in die Elbe), dem Ruthenstrom (von km 3,75 bis zur Mündung in die Elbe) und der Bützflether Süderelbe (von km 0,69 bis zur Mündung in die Elbe);

    * 7. Oste bis zur Nordostkante des Mühlenwehres in Bremervörde;

    * 8. Freiburger Hafenpriel bis zur Ostkante der Deichschleuse in Freiburg an der Elbe;

    * 9. Schwinge bis zur Nordkante der Salztorschleuse in Stade;

    * 10.Lühe bis zum Unterwasser der Au-Mühle in Horneburg;

    * 11.Este bis zum Unterwasser der Schleuse in Buxtehude;

    * 12.Stör bis zum Pegel in Rensing;

    * 13.Krückau bis zur Südwestkante der im Verlauf der Straße Wedenkamp liegenden Straßenbrücke in Elmshorn;

    * 14.Pinnau bis zur Südwestkante der Eisenbahnbrücke in Pinneberg;

    * 15.Eider bis Rendsburg und Sorge bis zur Südwestkante der im Verlauf der Bundesstraße 202 liegenden Straßenbrücke an der Sandschleuse;

    * 16.Gieselaukanal;

    * 17.Nord-Ostsee-Kanal – einschließlich Audorfer See und Schirnauer See – von der Verbindungslinie zwischen den Molenköpfen in Brunsbüttel bis zu der Verbindungslinie zwischen den Einfahrtsfeuern in Kiel-Holtenau mit Obereidersee mit Enge, Borgstedter See mit Enge, Flemhuder See und Achterwehrer Schifffahrtskanal;

    * 18.Trave bis zur Nordwestkante der Eisenbahnhubbrücke und der Nordkante der Holstenbrücke (Stadttrave) in Lübeck mit Pötenitzer Wiek, Dassower See und den Altarmen an der Teerhofinsel;

    * 19.Warnow mit Nebenarmen am Mühlendamm bis zur Südkante der Eisenbahnbrücke Rostock–Stralsund;

    * 20.Ryck bis zur Ostkante der Steinbecker Brücke in Greifswald;

    * 21.Uecker bis zur Südwestkante der Straßenbrücke in Ueckermünde.