Wozu braucht man den SSS?

Ich werde oft gefragt, wozu der SSS  – oder Sportseeschifferschein – gut ist, ob und warum man diesen Schein machen sollte.

SSS
Sportseeschifferschein

Tatsächlich ist die Ausbildung zum SSS recht aufwändig, zeit- und kostenintensiv.

Zudem erfordert die Zulassung zur Prüfung den Nachweis von 1000 sm, die man als Schiffsführer oder dessen Vertreter, oder mindestens als Navigator auf einer Yacht zurückgelegt haben muss.

Warum also?

Ganz einfach ist die Beantwortung dieser Frage, wenn Sie gewerbsmässig auf einer Yacht als Skipper fahren wollen und zahlende Gäste an Bord mitnehmen wollen.

Dann ist der SSS Pflicht.

Für alle privaten Skipper bleibt der SSS ein freiwilliger Schein.

Ein verantwortungsbewusster und interessierter Schiffsführer hat bereits früh erkannt, dass man auf See nie genug wissen kann.

Wie schon oft erwähnt, lässt sich Erfahrung nicht im Theorieunterricht lernen. Man kann jedoch mit umfangreichem Wissen eine gute Basis legen, auf der sich die praktischen Fähigkeiten und die Erfahrung aufbauen und die Sie letztlich zu einem kompetenten Schiffsführer machen können.

Prüfungen

Um den SSS erwerben zu können, müssen Sie eine theoretische und eine praktische Prüfung ablegen.

In der Theorieprüfung gibt es vier Prüfungsfächer:

  1.  Navigation
  2.  Wetterkunde
  3.  Schifffahrtsrecht
  4.   Seemannschaft

Jedes dieser Prüfungsfächer wird einzeln geprüft und bewertet. Sie können die Theorieprüfung komplett, d.h. für alle vier Fächer gleichzeitig ablegen, oder aber jedes Fach einzeln bzw. beliebige Fächer miteinander kombinieren.

Insgesamt müssen Sie alle vier Teile der Prüfung innerhalb von 24 Monaten abgelegt und bestanden haben, ansonsten verfallen die bereits bestandenen Prüfungsteile.

Im Gegensatz zu den anderen Sportbootführerscheinen, wie z.B. SBF-Binnen, SBF-See oder SKS, existiert beim SSS kein Fragenkatalog, nach dem man lernen kann.

Für jede Prüfung werden vom DSV neue Prüfungsfragen erstellt und neue Aufgaben errechnet.

Daher müssen Sie sich während Ihrer Vorbereitung auf die Prüfung durch umfangreiches Lehrmaterial durcharbeiten, viele, viele Navigationsaufgaben lösen und sich weitreichende Kenntnisse zu den jeweiligen Teilgebieten aneignen.

Bei diesem Führerschein geht es eindeutig darum, das Wissen des zukünftigen Schiffsführers auf Herz und Nieren zu prüfen und nicht nur zu testen, ob er Fragen und Antworten auswendig gelernt hat.

Diese Unterlagen benötigen Sie für den Theorieunterricht und die Prüfung

Macht diese Methode Sinn?

Allzu oft gehen Segelschüler von der Annahme aus, dass der Erwerb eines Sportbootführerscheins nur eine Formsache ist. Sie vergessen häufig, dass sie anschließend als Schiffsführer eine große Verantwortung für Schiff und Crew tragen.

Die Planung und Durchführung eines Törns wird aufgrund mangelnder Kenntnis und Erfahrung „mit links“ erledigt, und die Überzeugung, genügend Technik an Bord eines Schiffes würde den Mangel in der Schiffsführung schon kompensieren, haben schon manchen Schiffsunfall zu einem gefährlichen und lebensbedrohlichen Abenteuer werden lassen.

Praxisprüfung

Die Praxisprüfung wird auf einer seegehenden Yacht in deutschen Hoheitsgewässern abgelegt.

Die Prüfer kommen an Bord und die Prüfung beginnt nach Erledigung der Formalitäten mit dem Klarmachen des Schiffes zum Ablegen und Auslaufen.

Bereits hierbei werden die Prüfer in Gesprächen mit den Prüflingen Fragen einfließen lassen, nach Wetter, Schiffssicherheit, Ablegemanöver und ähnlichem.

Nachdem das Schiff den Hafen oder Liegeplatz verlassen hat, werden (bei einer Segelyacht) Segel gesetzt, und die Prüflinge müssen die Standardmanöver wie

  • Wenden,
  • Halsen,
  • Rettungsmanöver unter Segel und unter Maschine fahren
  • und zeigen, wie man ein Schiff beidreht.

Bei der Praxisprüfung gibt es sog. Pflichtaufgaben. Jeder Prüfling muss diese Aufgaben erfüllen. Dazu gehören die genannten Segelmanöver, aber auch das Arbeiten am Radargerät und die Bedienung des GPS-Gerätes.

Auch bei der Praxisprüfung werden die Prüfer aus dem unerschöpflich weiten Themenbereich verschiedene Fragen stellen.

Nachdem alle Prüflinge an Bord hinlänglich ihre Fähigkeiten zur sicheren Schiffsführung unter Beweis gestellt haben, werden sie die Yacht wieder an den Liegeplatz zurück bringen. Auch das Anlegemanöver kann als Prüfungsteil gewertet werden!

Ausrüstung der Yacht

Wahrscheinlich werden Sie Ihre SSS-Prüfung an Bord der Yacht einer professionellen Segelschule ablegen. Achten Sie bei der Auswahl Ihrer Schule darauf, dass die Ausbildungsyacht überhaupt für eine SSS-Prüfung zugelassen ist.

SSS Prüfungsfahrt
Segeln begeistert

Denn nicht jedes Schiff hat die für die Prüfung erforderliche Ausrüstung.

Eine professionell betriebene Yacht muss von der See-Berufsgenossenschaft abgenommen sein und ein Schiffssicherheitszeugnis und einen Fahrterlaubnisschein haben. Nur dann können Sie sicher sein, dass diese Yacht auch für die Prüfung ausreichend ausgerüstet ist.

Erkundigen Sie sich auch, ob der Skipper an Bord Ihrer Ausbildungsyacht Erfahrung mit der Ausbildung von SSS-Prüflingen hat.

Ein guter Skipper hat im Laufe seines Berufslebens schon an vielen Prüfungen teilgenommen, kennt die Prüfer und weiß ziemlich genau, was in der Prüfung „drankommt“. Er kann Sie also zielgerichtet daraufhin ausbilden.

Ihre Vorbereitung auf die Prüfung

Nehmen Sie sich einige Tage Zeit für diese Ausbildung vor der Prüfung.

Denken Sie nicht, es reiche, wenn Sie einen Tag vorher auf das Schiff gehen, einmal kurz die Segel hochziehen und nachschauen, wo der Motor ist.

Die Prüfer wollen in der Regel feststellen, ob Sie sich mit diesem Schiff beschäftigt haben, ob Sie alle technischen Anlagen und Geräte auf diesem Schiff beherrschen – kurz gesagt, ob Sie in der Lage sind, dieses Schiff sicher zu führen.

Wenn ein Wendemanöver oder das Anlegen nicht gleich hundertprozentig klappen – das kommt sozusagen in den besten Familien vor. Das werden Sie – auch im wirklichen See-Leben – ein zweites Mal probieren dürfen. Selbst ansonsten perfekte, erfahrene Schiffsführer glänzen nicht immer beim ersten Versuch.

Wenn Sie sich aber nicht die Mühe machen, ein Schiff richtig kennen zu lernen und im Notfall dadurch Schäden entstehen oder gar Menschen verletzt werden, dann ist das auf mangelnde Vorbereitung zurück zu führen. Das werden die Prüfer nicht tolerieren.

Warum so gründlich?

Vielleicht wundern Sie sich, dass ich im Zusammenhang mit Ausbildung, Erfahrung und Können sehr oft von Notfällen spreche.

Tatsächlich ist es doch so:

Solange alles gut geht, solange Sie ihr Schiff heil und die Crew bei bester Laune und Gesundheit von A nach B oder auch zurück nach A bringen, solange alle Spaß haben und die Sonne scheint – solange kräht kein Hahn danach, ob und welche Scheine oder Ausbildung Sie haben.

Wenn allerdings etwas passiert,

  • wenn Sie in ein Unwetter geraten und Ihr Schiff nicht rechtzeitig in den sicheren Hafen gebracht haben, weil Sie die dunklen Wolken am Himmel nicht ernst genommen haben,
  • oder wenn ein Segel einreisst und Ihr Schiff dadurch unsteuerbar wird,
  • oder wenn eine Leine in Ihre Schiffsschraube gerät oder eine richtige Havarie geschieht (Maschinenschaden, ernsthafte Beschädigung des Riggs oder des Schiffsrumpfs)
  • oder wenn – was leider vorkommt – ein Crewmitglied ernsthaft erkrankt oder verunfallt

– wenn Sie dann nicht in der Lage sind, mit dieser Situation so umzugehen, dass größerer Schaden verhindert wird

– spätestens dann werden Sie merken, dass Sie vielleicht doch besser etwas mehr Zeit in Ihre Ausbildung investiert hätten.

Sonnenuntergang auf See
Sonnenuntergang auf See

Keine Angst

Segeln ist immer noch ein wunderschöner Sport, ohne jeden Zweifel.

Allerdings sind Sie auf See immer zuerst auf sich selbst angewiesen. Wenn Sie Hilfe anfordern, wird es eine Weile dauern, bis jemand bei Ihnen ist.

Wenn Sie mit Ihrem Auto eine Panne haben, fahren Sie rechts ran, rufen den ADAC und warten ab.

Das geht auf See nicht.

Und deshalb kann ich nur an Ihre Einsicht und Ihre Vernunft appellieren.

Nehmen Sie die Seefahrt nicht auf die leichte Schulter, gehen Sie kein unnötiges Risiko ein – dann werden Sie immer heil in Ihrem Zielhafen ankommen.