Ist Seefunk out?

Ich höre es beinahe täglich: Seefunk brauche ich nicht, ich habe doch mein Handy.

Ja klar, ich habe ein Handy, und Sie wahrscheinlich auch. Haben Sie schon einmal versucht, jemanden anzurufen, dessen Telefonnummer Ihnen nicht bekannt ist?

Haben Sie schon einmal in einem Funkloch gesteckt, und Ihre Gespräche wurden unterbrochen oder kamen erst gar nicht zustande?

Es dürfte für jeden klar sein, dass ein Handy auf See nicht den Anforderungen an die Sicherheit erfüllt.

Was an Bord eines Schiffes zählt, ist die Sicherheit.

Sie hat oberste Priorität.

Was nützt es Ihnen also, wenn Sie in wenigen hundert Meter Entfernung eine Yacht, einen Fischer oder ein anderes Schiff sehen, dass Ihnen möglicherweise eine wichtige Auskunft geben kann, das Ihnen zu Hilfe kommen oder andere Hilfe organisieren könnte und das Sie nicht erreichen, weil Sie kein Funkgerät an Bord haben?

Seefunk ist nicht nur lebensnotwendig in kritischen Situationen, sondern auch wichtig, um Kontakt mit Schleusen, dem Hafenfunk oder anderen Institutionen aufzunehmen.

Seefunk Geräte
Funkgeräte für die Prüfung

Regeln beim Funken

Um ein heilloses Funkdesaster auf allen Kanälen zu vermeiden, gibt es bestimmte Regeln beim Funken. Diese Regeln gelten international, genauso wie auch eine gewisse „Funksprache“ üblich ist.

Funksprüche müssen kurz, klar und für jedermann verständlich sein. Außerdem müssen sie trotz der Kürze alle notwendigen Angaben enthalten, die eine Identifikation der Beteiligten, die Ermittlung deren Position und der Situation oder der zu treffenden Maßnahmen ermöglichen.

International werden die Funksprüche in englischer Sprache abgewickelt. Jedoch ist es durchaus üblich, im Kontakt mit deutschen Funkstellen und im Binnenbereich in deutscher Sprache zu kommunizieren.

Wer muss ein Funkzeugnis haben?

Früher reichte es aus, wenn irgendein Besatzungsmitglied an Bord einer mit Funk ausgerüsteten Yacht im Besitz des Sprechfunkzeugnisses war.

Seit der Neuregelung der seeverkehrsrechtlichen Vorschriften vom 6. August 2005 ist nun der Schiffsführer verpflichtet, entsprechend der funktechnischen Ausrüstung der Yacht seine Qualifikation durch den Besitz des entsprechenden Funkzeugnisses nachzuweisen.

Eine wesentliche schärfere Regelung, die vorsah, den Besitz von Funkbetriebszeugnissen mit dem Besitz von Sportbootführerscheinen zu koppeln, ist nicht in Kraft getreten.

Welche Funkzeugnisse gibt es, wo braucht man welche?

Bei den Funkzeugnissen wird nach Einsatzgebieten unterschieden. Es gibt für den Binnenbereich:

UBI – UKW-Sprechfunkzeugnis für den Binnenschifffahrtsfunk

für die See:

SRC – Short Range Certificate – Beschränkt gültiges Funkbetriebszeugnis

LRC – Long Range Certificate – Allgemeines Funkbetriebszeugnis

Das UBI (Binnenverkehr) wird auf Ultrakurzwelle (UKW) abgewickelt, und die Funkgeräte sind mit der automatischen Senderkennung ATIS (Automatic Transmission Identification System) ausgestattet.

SRC wird ebenfalls auf UKW abgewickelt, die Funkanlage verfügt zusätzlich über einen DSC-Controller (Digital Selective Controller), mit dem ein digitalisiertes Anrufverfahren durchgeführt werden kann.

LRC verfügt zusätzlich zum UKW auch über Grenzwellen- und Kurzwellenfrequenzen, hat dadurch eine merklich größere Reichweite.

Während die handelsüblichen Funkgeräte sowohl für UBI als auch für SRC einsatzfähig sind, ist die Ausstattung für LRC, also mit Grenz- und Kurzwelle eher bei der Großschifffahrt zu finden.

Wie läuft eine Prüfung ab?

Funksprüche, theoretisches Wissen über den Funkverkehr an Bord und die Handhabung des Funkgerätes werden im Rahmen von Lehrgängen an Wassersportschulen gelehrt.

Dort sind auch die Funkgeräte vorhanden, die von den Prüfungskommissionen eingesetzt werden. D.h. Sie werden an den Orginal-Geräten ausgebildet und sind so vor bösen Überraschungen bei der Prüfung sicher.

Bei der Prüfung, die vor einem Prüfungsausschuss des DSV abgelegt wird, müssen Sie Ihre theoretischen Kenntnisse unter Beweis stellen.

Es gibt einen Fragebogen (Multiple-Choice-Verfahren), es werden Funksprüche diktiert, die übersetzt werden müssen (deutsch/englisch und englisch/deutsch) und Sie müssen eine praktische Prüfung an den Funkgeräten ablegen.

Dazu werden Ihnen Aufgaben gestellt, wie z.B.

„Ihr Schiff hat einen Maschinenschaden. Sie sind manövrierunfähig und benötigen Schlepperhilfe. Was tun Sie?“

Je nachdem, wie die Aufgabe formuliert wird, müssen Sie den Funkspruch aufnehmen, übersetzen, und in der korrekten Form übermitteln.

Nachdem alle Prüfungsteile bestanden wurden, wird Ihnen Ihr neues Seefunkzeugnis ausgehändigt.

Prüfungsfragenkataloge

Zur Vorbereitung auf die Prüfung finden Sie Links zum Download der amtlichen Fragenkataloge für die Seefunk-Prüfungen unten links auf dieser Seite.

Die Prüfungsfragen werden im Multiple-Choice-Verfahren gestellt. Zur Auswahl stehen jeweils vier Antworten, von denen eine richtig ist.

Meine persönliche Buchempfehlung zur Vorbereitung auf die Prüfung: